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Kolonistenhof Neu Duvenstedt

Die Kolonie Neu Duvenstedt mit ihren 15 Höfen gehörte zu den zuletzt gegründeten der insgesamt  47 Kolonien mit 574 neuen Höfen im Rahmen der Kolonisierung der Schlewigschen Geest in den Jahren 1761 bis 1764.

Die Neugründung hatte sich hier verzögert, da es um die Frage der Landzuweisung Streitigkeiten der Kolonistenbehörde mit den Bauern von Alt Duvenstedt gab. Am Ende konnten nur drei der 15 Höfe am ursprünglich geplanten Standort errichtet werden, in Broholm, westlich des Dorfes Alt Duvenstedt.

Die übrigen 12 Höfe entstanden in den Duvenstedter Bergen am Rand der Hüttener Berge.

Am 8. November 1764 war es auch auf Hof Nr. 8 der Kolonie Neu Duvenstedt soweit. Johannes Petz, ein Tagelöhner aus Württemberg, erhielt den Erbfestebrief; nach heutigem Rechtsverständnis würden wir es als Erbpachtverhältnis bezeichnen. Petz blieb nicht lange, womöglich ging auch er nach Russland ebenso wie Friedrich Altergott, der in Neu Duvenstedt den Hof Nr. 15 besaß, am 9. März 1766 desertierte und an den auf dem heutigen Kolonistenhof der Diakonie eine Ausstellung erinnert.

Der Nachfolger von Petz war Wulf Bock aus Achterwehr, der aber kurz nach der Besitzübernahme verstarb. Jürgen Kuhr heiratete die Witwe von Wulf Bock und wird am 14. August 1765 hier als Kolonist genannt, also drei Besitzer in weniger als einem Jahr.

Kuhr verkaufte neun Jahre später den Hof an Peter Andreas Schmidt. Bis 1908 gab es hier sieben weitere Besitzer bis Peter Schröder, ein Hufner aus Bünsdorf den Hof erwarb. Nachdem seine Tochter Katharina Horst mit ihrem Ehemann Johann Horst den Betrieb kurze Zeit führte, gab es noch vier weitere Besitzer bis 1984 die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie den Hof erwarb. Als eine Außenstelle des Marienhofes in Rendsburg, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, wird auch der Naturerlebnisraum Kolonistenhof von Menschen mit besonderem Förderbedarf betrieben. Neben einem vielfältigen Angebot können hier auch Gottesdienste in einer Baumkirche unter freiem Himmel gefeiert werden.

Die ersten Kolonisten hatten es am Anfang schwer. Die für sie geplanten Häuser waren nicht fertig, so dass sie zunächst in behelfsmäßigen Unterkünften Zuflucht fanden. Auf dem Kolonistenhof der Diakonie wurde eine solche Erdhütte entdeckt und im alten Zustand wiederhergestellt. Ob es hier später auch um die Nutzung als Eiskeller ging, ist nicht abschließend geklärt.

Das später hier errichtete Kolonistenhaus ist ein Neubau, der aber mit den exakten Proportionen des alten Kolonistenhauses errichtet wurde. Nur, alles wurde 25% größer gebaut, denn es sollte geräumig genug für Tagungen und festliche Veranstaltungen sein.

Bei den Kolonisten der Jahre 1761 bis 1764 handelte es sich anfangs fast nur um Zuwanderer aus Süddeutschland. Dort herrschte seit vielen Jahren ein erheblicher Bevölkerungsüberschuss. Bis zum Beginn des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1756 wanderten viele Menschen von dort in die Länder Osteuropas aus, u.a. nach Russland. Während des Siebenjährigen Krieges war diese Möglichkeit verschlossen, so dass sich dem Dänischen König die Möglichkeit bot, seinerseits Kolonisten im Süden anzuwerben. Er konnte zwar nur weniger und schlechteres Land anbieten, aber er hatte Frieden im Lande. So kamen  viele Hundert Familien ins Land. Als in Russland ab 1763 wieder Frieden war, zogen etliche davon doch noch von hier weiter nach Russland. Schließlich waren auf den Kolonistenhöfen fast ebenso viele Einheimische wie Süddeutsche. Eines der Beispiele hierfür ist der Hof der Diakonie am Bornbarg.

Dass Neu Duvenstedt zu den zuletzt gegründeten neuen Dörfern gehörte, kann man auch an diesem Namen erkennen. Anfangs benannte man die Dörfer nach Vertretern der königlichen Familie. Sie hießen nach dem König Friedrichsau, Friedrichsholm oder Königshügel. Nach dem Kronprinzen wurde Christiansholm benannt, nach der Königin Julianenebene usw. Gegen Ende setzte sich die Ansicht durch, dass das Vorhaben zu teuer geworden war, sich fiskalisch nicht lohnte. So war man bei der Namensvergabe vorsichtiger. Diese fiskalische Betrachtungsweise war allerdings recht kurzfristiger Natur.

Langfristig brachte das Vorhaben viele Vorteile, insbesondere durch die Einführung der Kartoffel, die man vorher hier nur als Gartenfrucht des Glücksburger Probsten Lüders kannte und die hier außer ihm  niemand haben wollte. In einer Zeit, als es die moderne mineralische Düngung noch nicht gab, war die Kartoffel aber geradezu eine Wunderwaffe gegen den Hunger. Die Bevölkerung in den Kolonistendörfern wuchs doppelt so schnell wie in den Altdörfern und innerhalb von zwei Generationen wurde aus dem Einwanderungsland Schleswig-Holstein ein Auswanderungsland.

Während man vor Ankunft der Kolonisten recht artenarme Kohlhöfe hatte, in denen nur Grünkohl und Rosenkohl wuchsen, brachten die Kolonisten die Kenntnis über artenreiche Bauerngärten mit, wie man sie im Süden schon länger hatte.


Herzlichen Dank an Dr. Stamp aus Rendsburg (Leiter des Arbeitskreises "Kolonisten-Stammtisch", der oberen Text verfasst hat!
Der Stammtisch tagt bei uns zweimal im Jahr (s. unter Termine) und ist öffentlich.